Tod im Buddhismus

Referat von Brigitte Schmidt

gehalten am 09.11.2002 in Magdeburg vor der BATF e.V. – Auszüge

Beginnen wir gleich mit der Wiedergeburt, denn das haben ja vermutlich schon alle gehört, dass man im Buddhismus von Wiedergeburt ausgeht. In diesem Zusammenhang hört man auch öfters das Wort Reinkarnation. Aber im Buddhismus spricht man lieber von Wiedergeburt, weil es keine Seele, kein Ich und kein Selbst gibt, das in irgendeiner Weise reinkarnieren könnte. Lediglich im Zusammenhang mit so genannten Tulkus, wird von Reinkarnation gesprochen. Tulkus werden im Tibetischen Buddhismus große Meister genannt, von denen man annimmt, dass sie sich freiwillig zum Wohle aller Lebewesen reinkarnieren, das heißt, sie haben bereits Befreiung erlangt und müssten nicht mehr wiedergeboren werden, sie tun es aber aus einem tiefen Mitgefühl heraus trotzdem. Da diese Tulkus dann einen kontinuierlichen Buddhaspekt verkörpern, spricht man bei ihnen von Reinkarnation. Für alle gewöhnlichen Lebewesen spricht man aber lieber von Wiedergeburt.

Nun werden Sie sich fragen, was wird denn da überhaupt wiedergeboren, wenn es gar keine Seele, kein Selbst gibt? Es sind Karma und Klesha, unsere Handlungen und Verblendungen, die von einem Körper zum nächsten weiterwandern. Sowohl Taten als auch vorhandene Verblendungen verdichten sich im Sterbeprozess auf ein so genanntes Bewusstseinskontinuum. Dies ist kein materielles Partikel oder so etwas, sondern eine rein energetische Substanz.

Damit kommen wir zum Sterbeprozess selbst und ich werde ihn erst einmal so beschreiben, wie er im Bardo Thödol, dem Tibetischen Totenbuch, erklärt ist. Wieweit diese Beschreibung auch für die anderen buddhistischen Richtungen von Bedeutung ist, darauf gehe ich anschließend ein.

Während des Sterbeprozesses lösen sich nacheinander die vier Grundelemente des Körpers Erde, Wasser, Feuer und Luft in dieser Reihenfolge auf. Dieser Prozess kann gewöhnlich bei einem in Ruhe etwa an Alterschwäche sterbenden Patienten genau anhand bestimmter Phänomene beobachtet werden. In anderen Fällen verkürzt sich der Ablauf, so dass die Phänomene weniger deutlich zur Erscheinung kommen. Diesen Auflösungsprozess detailliert zu beschreiben würde jetzt etwas viel Zeit in Anspruch nehmen, das kann man aber in den entsprechenden Büchern nachlesen. Wir gehen deshalb gleich zu dem Phänomen über, wenn sich die Energie des Windes auflöst. Das können wir von außen daran erkennen, dass der Sterbende Atemprobleme bekommt, der Atem wird unregelmäßig, man hört verschiedene Laute aus der Kehle und Lunge und schließlich kommt es ganz zum Atemstillstand. Wenig später setzen dann auch die Gehirnströme aus und das ist dann der Punkt, an dem allgemein gesagt wird, dass jemand gestorben ist. Nicht so im tibetischen Buddhismus. Hier ist der Sterbeprozess bei weitem noch nicht abgeschlossen. Es finden noch etliche weitere Prozesse in den subtilen Kanälen des – nach äußeren Anzeichen nach – Verstorbenen statt, die insgesamt bis zu drei Tage dauern können. Erst dann ist der Patient nach tibetisch-buddhistischer Auffassung wirklich als „tot“ zu betrachten.

Der Verstorbene selbst hat an diesem Punkt den Ablösungsprozess vom Körper noch nicht ganz vollzogen und es treten für ihn bestimmte innere Erscheinungen auf, von denen ich jetzt nicht alle aufgreife, sondern gleich mit der so genannten Erscheinung des „Klaren Lichts“ beginne. Das ist eine Erscheinung, die man auch von vielen wieder ins Leben zurückgekehrten Patienten kennt. Dabei ist „Klares Licht“ nur eine Hilfsbezeichnung für einen Bewusstseinszustand, der sich schwer mit Worten umschreiben lässt. Das klare Licht kann auch noch auf vielfältige andere Weise erlebt werden, so empfindet man dabei gleichzeitig tiefen Frieden, Glückseligkeit, Weisheit und vieles mehr. Aber da die Erscheinung am ehesten mit einem besonders reinen Licht zu vergleichen ist, spricht man von „Klarem Licht“. Dieses Licht stellt unseren reinen Geist dar, es ist die Begegnung mit unserer ureigenen Buddhanatur, die wir nun im Tod am deutlichsten erleben können.

Dieser Zustand ist für praktizierende Buddhisten von besonderer Bedeutung, weil sie ihn direkt zur Befreiung von bedingtem Dasein, vom Daseinskreislauf der Wiedergeburten, verwenden können. Wurde diese Erkenntnis allerdings nicht bereits zu Lebzeiten geübt, so dass man in der Lage ist, länger in diesem Zustand zu verweilen, kommt es gemäß der Beschreibung des Bardo Thödol, dem tibetischen Totenbuch, bald zu einer ersten Vergröberung des Bewusstseinszustandes. Da unser Bewusstsein gewohnt ist, Formen zu bilden, entstehen nun aus dem Licht die so genannten friedvollen Gestalten, die im tibetischen Buddhismus als Dhyani-Buddhas beschrieben sind. Hierbei handelt es sich nicht um wirkliche Existenzen, sondern um Erscheinungen des eigenen Geistes, d.h. sie entsprechen in irgendeiner Weise einem Bild, das man zu Lebzeiten für die Verkörperung friedvoller, göttlicher Erscheinungen geprägt hat. So kann man an dieser Stelle je nach Hintergrund andere religiöse Gestalten, in die man Vertrauen hatte sehen, z.B. Christus, Erzengel oder aber auch bereits verstorbene liebe Verwandte, die einen nun abholen.

Auch das Vertrauen in diese Gestalten, die lediglich eine reine, friedvolle Interpretation des klaren Lichts darstellen, kann zur Befreiung aus dem Daseinskreislauf verwendet werden. Wenn man zu Lebzeiten aber kein vollendetes Vertrauen praktiziert hat, wird es zu einer weiteren Vergröberung des Bewusstseinszustandes kommen. Diese tritt in Gestalt von Irritationen auf, d.h. es tauchen nach und nach weitere vier Buddhas bzw. Gestalten auf, für die man sich in irgendeiner Weise entscheidet. Im Bardo Thödol werden dazu bestimmte Farben beschrieben, aber das sind wiederum keine festen Anhaltspunkte. Genauso kann es sein, dass nun ein anderer lieber Verwandter auftritt, zu dem man sich plötzlich und spontan mehr hingezogen fühlt. Diese Verwirrung entsteht, weil wir es gewohnt sind, Menschen unterschiedlich zu bewerten und dabei nicht sehen, dass jeder gleichermaßen die Buddhanatur (oder Christusnatur etc.) in sich trägt. Tatsächlich sind alle diese Erscheinungen lediglich Erscheinungen des eigenen Geistes, der versucht, dieses klare Licht zu interpretieren. Da wir das aber möglicherweise nicht sehen und Unterschiede setzen, vergröbern die friedvollen Erscheinungen über fünf Stufen und es treten die so genannten zornvollen Erscheinungen ebenfalls in fünf Stufen auf. In den zornvollen Erscheinungen treten nun die Aspekte zum Vorschein, die wir Zeit unseres Lebens als „Böse“ verdrängt haben und zwar wieder in personifizierter Form. Im tibetischen Buddhismus werden sie als fünf zornvolle Erscheinungen der fünf Dhyani-Buddhas beschrieben, aber da es sich wieder um Bilder des eigenen Geistes handelt, können das auch „Bösewichte“ unserer eigenen Kultur sein, z.B. Teufel, Dämonen, Menschen, die wir als das personifizierte „Böse“ betrachten. Auch hier besteht noch die Möglichkeit, in den zornvollen Erscheinungen die fünf friedvollen Dhyani-Buddhas wieder zu erkennen, die ihrerseits wieder nur eine Erscheinungsform des klaren Lichtes sind. Bleibt das Lebewesen stattdessen bei seinen Ängsten haften und betrachtet diese zornvollen Erscheinungen als etwas wirklich Existierendes, das ihm Schaden zufügen will, dann sinkt es in weitere Vergröberungszustände und fällt schließlich vor Angst in Ohnmacht. Das können Sie sich ähnlich vorstellen, wie bei einem Alptraum. Da kommt es an einer bestimmten Stelle zu einem Höhepunkt, an dem der Traum unerträglich wird und man wacht auf. Nur hier wacht man nicht auf, sondern trennt sich endgültig von seinem Körper und nimmt Geburt als so genanntes Bardowesen. Bardo bedeutet der Zustand eines Lebewesens zwischen Tod und neuer Geburt.

Ab diesem Zeitpunkt ist nun für Buddhisten der Tod eingetreten. Äußerlich gibt es am Toten ebenfalls bestimmte Indizien, wonach diese endgültige Ablösung zu erkennen ist, nämlich ein kleines Rinnsal roter oder weiß-durchsichtiger Flüssigkeit, das aus einer der Körperöffnungen läuft. Das können Blut, Nasenflüssigkeit oder andere Sekrete sein, was man allerdings aufgrund der Lage des Körpers nicht immer erkennen kann. Ab diesem Zeitpunkt treten dann auch deutliche Verwesungserscheinungen auf, wie etwa Geruch und Fäulnis.

Vor diesem Zeitpunkt darf der Körper nach tibetisch-buddhistischer Auffassung nicht berührt oder gestört werden, da der Prozess sonst sofort abgebrochen wird und sich der Verstorbene gleich als Bardowesen wieder bei Bewusstsein findet. Bei der heutigen medizinischen Praxis können Sie sich vorstellen, dass das tatsächlich ein großes Problem für praktizierende Buddhisten darstellt, eben weil die zuvor beschriebenen Bewusstseinszustände sehr wichtig sind, um Befreiung aus dem Daseinskreislauf zu erlangen.

Der Verstorbene hat also nun Geburt als Bardowesen genommen und einen so genannten Bardokörper angenommen. Das ist kein Körper, den man irgendwie durch Geburt oder ähnliches bekommt, sondern ein rein energetischer Körper, der spontan entsteht. Das Dasein eines Bardowesens wird als alles andere als erfreulich geschildert. Zumeist ist es in irgendeiner Weise vor ängstigenden Erscheinungen auf der Flucht. Auch hier handelt es sich um Erscheinungen des eigenen Geistes, aber aufgrund seiner Verblendungen betrachtet das Bardowesen sie als real. Selbst hier ist es noch möglich, Befreiung aus dem Daseinskreislauf zu erlangen, in dem man die Erscheinungen als Illusionen des eigenen Geistes erkennt. Das können Sie sich ganz ähnlich wie im Traum vorstellen. Vielleicht haben Sie auch schon einmal luzide Momente im Traum erlebt, wo ihnen plötzlich ganz klar war, dass sie träumen und dass die Phänomene, die Sie sehen, lediglich Bestandteil ihrer Traumwelt sind. Aber in den meisten Fällen vergisst man es und lebt in seinen Träumen, wie wenn sie Wirklichkeit wären.

Im Falle des Bardowesens handelt es sich gewöhnlich nicht um angenehme Träume, wenn allerdings die Neigung zu einer guten Wiedergeburt besteht, fallen sie meistens etwas ruhiger aus. Diese Phänomene zwingen das Bardowesen, in irgendeiner Form Schutz zu suchen. Man spricht von maximal 40 Tagen, in denen sich ein Bardowesen in diesem Zwischenzustand aufhalten kann. Dieser Schutz erscheint z.B. in Gestalt einer Höhle, eines Hauses oder ähnliches. In Wirklichkeit handelt es sich dabei aber um den Schoß der künftigen Mutter bzw. den Eingang zum neuen Daseinsbereich. Bei einer Wiedergeburt als Mensch sieht das Bardowesen ein Elternpaar in sexueller Vereinigung, bei einer Wiedergeburt in anderen Daseinsbereichen tauchen andere entsprechende Bilder auf.

Der Buddhismus kennt generell (also nicht nur der tibetische Buddhismus) sechs Daseinsbereiche, das sind Götter, Halbgötter, Menschen, Tiere, Hungergeister und Höllenwesen. Diese Daseinsbereiche korrespondieren mit den jeweiligen Kleshas, also Verblendungen, sowie dem Karma, so dass sich ein Bardowesen zu einem dieser Bereiche aufgrund seiner Verblendungen und seines Karmas hingezogen fühlt. Hat dieses Lebewesen z.B. starke Eindrücke von Geiz und Begierde mitgenommen und kommt das Karma in diesem Moment ebenfalls zur Reife, dann wird es leicht an einem Ort Zuflucht suchen, der dem Mutterschoß eines weiblichen Hungergeistes entspricht. Wenn eine weitere Existenz schon nicht vermeidbar ist, dann wird dem Bardowesen gemäß dem Tibetischen Totenbuch der Ratschlag gegeben, unbedingt als Mensch Geburt zu nehmen. Es gibt zwar Bereiche, die ein sehr viel angenehmeres Dasein als das menschliche versprechen, etwa bei den Göttern. Aber aufgrund der dort vorherrschenden Sorglosigkeit gibt es fast keine Möglichkeit, zur Befreiung von bedingtem Dasein zu gelangen, da kaum Motivation dazu entsteht.

Ist das Bardowesen nun in eines der Tore der Daseinsbereiche bzw. in einen Mutterschoß eingetreten, entsteht je nach Daseinsbereich ein neuer Foetus oder es kommt zu einer spontanen Geburt, wie das z.B. in den Höllenbereichen oder bei den Göttern der Fall ist. Wenn wir es mit einer menschlichen Wiedergeburt zu tun haben, dann bilden sich wieder die vier Grundenergien in umgekehrter Reihenfolge, also Wind, Feuer, Wasser, Erde. Diese Etappen sind dann auch wieder einzelnen Entwicklungsschritten des Foetus zugeordnet.

Das heißt übrigens, dass ein Lebewesen nach buddhistischer Auffassung mit Eintritt in den Mutterleib als Lebewesen vollständig existiert, weswegen Abtreibung im Buddhismus grundsätzlich abgelehnt wird. Verhütung ja, Abtreibung nein.

Dies sind nun die Vorgänge, wie sie im Tibetischen Totenbuch beschrieben sind. Wie sieht das jetzt im Buddhismus allgemein aus? Die Vorgänge des Sterbens, sowie der ersten beiden Phasen, wie sie im Bardo Thödol beschrieben sind, also klares Licht, sowie die Erscheinung der friedvollen und zornvollen Gottheiten, sind in dieser detaillierten Form nur im Tibetischen Buddhismus bekannt. Erst mit der dritten Phase, der Geburt als Bardowesen, gibt es wieder Übereinstimmung in allen buddhistischen Linien. Auch dort heißt es, dass der/die Verstorbene in der Gestalt als Bardowesen noch vergangene Orte aufsucht, möglicherweise seine eigene Beerdigungsfeier erlebt und aufgrund seines labilen Zustandes nach Möglichkeit zu besänftigen ist, damit er Befreiung bzw. eine gute Wiedergeburt findet.

Alle Vertreter verschiedener buddhistischer Richtungen, mit denen ich gesprochen habe, waren der Auffassung, dass sich das Bardowesen, das der Verstorbene ja zum Zeitpunkt der Trauerfeier ist, in einer schwierigen Situation befindet und jeglicher Unterstützung sei es durch Gebete, freundliche Gedanken und Zeremonien, die zum Wohle des Verstorbenen durchgeführt werden, bedarf. Da das Tibetische Totenbuch, sowie Kommentare zu diesem Thema, auch über den Tibetischen Buddhismus hinaus populär ist, trifft man durchaus auch Buddhisten anderer Richtungen, die sich den Auffassungen des Tibetischen Buddhismus an dieser Stelle anschließen. Andererseits hat sich nicht jeder Anhänger des Tibetischen Buddhismus mit diesem Thema wirklich gut auseinandergesetzt, so dass man hier von einer inhomogenen Grundlage ausgehen muss, vor allem was die Bestimmung des Zeitpunkts des endgültigen Todes betrifft.

Zusammenfassend kann man daraus nun für die Trauerfeier folgern:

1. Der Verstorbene befindet sich nicht in einer anderen, möglicherweise besseren Dimension, sondern im Gegenteil in einer äußerst kritischen Phase, die bis zu 40 Tagen andauern kann.

2. Auch wenn die Möglichkeiten der Unterstützung nicht gravierend sind – letztendlich sind individuelles Karma und Klesha die entscheidenden Faktoren für eine Wiedergeburt -, gibt es doch kleine Möglichkeiten, dem Verstorbenen Gutes zu tun.

Unterstützend können wirken:

  • Lesung von speziellen, buddhistischen Texten und Gebete am Totenbett.
  • Pujas, das sind Zeremonien der Sangha, des Lehrers bzw. von Freunden zu diesem Zweck. Diese sind ortsunabhängig
  • freundliche, unterstützende Gedanken
  • kein Anhaften durch Trauer. Trauer wird als Egoismus interpretiert, weil sie den/die Verstorbene(n) zusätzlich verwirrt.

3. Der/die Verstorbene ist nicht irgendwo „weg“, sondern absolut präsent, wenn nicht sogar bei seiner Bestattung anwesend. Natürlich spekuliert man über solche Dinge nicht unsinnig herum, aber die Annahme einer Präsenz des Toten verändert die Ritualistik bei einer Trauerfeier zwangsläufig.

4. Der Körper selbst des/der Verstorbenen spielt bei der Trauerfeier keine besondere Rolle mehr, daher tendieren viele Buddhisten zur Verbrennung oder gar medizinischen Verwertung. Im Gegenteil, es sollte jegliche Anhaftung an den toten Körper auch von Seiten der Angehörigen aufgegeben werden. ….

Gestaltung der Trauerfeier:

Im Gegensatz zu üblichen Trauerfeiern, stehen nicht nur die Angehörigen, sondern der/die Verstorbene selbst im Mittelpunkt. Auch wenn er nicht mehr der zahlende Kunde ist, sollten sie seine Interessen nicht völlig zugunsten der Angehörigen vernachlässigen. Die Balance und wie weit Sie in der Ausgestaltung gehen können, hängt natürlich davon ab, wie weit die Trauergemeinde von verschiedenen Religionen durchmischt ist. Der Wunsch der Angehörigen muss bekanntlich nicht immer mit dem letzten Wunsch des Verstorbenen übereinstimmen. Idealerweise gehen wir aber jetzt einfach mal von einer rein buddhistisch gestalteten Trauerfeier aus, wie weit das Ganze dann evt. variiert werden muss, das zeigt die Praxis.

Der Verstorbene als Mittelpunkt – das können Sie gut durch ein Bild des Verstorbenen ausdrücken, das zentral in Gesichtshöhe in den Raum gestellt wird. In der Nähe dieses Bildes sollten Teelichter oder Butterlampen brennen. Kerzen sind nicht traditionell, wenn dann werden noch die üblichen Grablichter für solche Zwecke verwendet. Wenn die Leiche im offenen Sarg aufgebahrt ist, dann ist ein Foto natürlich nicht notwendig, obwohl es tatsächlich geeigneter wäre, da man sich nicht auf den Körper des Toten, sondern seine Essenz konzentrieren soll.

Der Inhalt der Rede sollte vor allem daraufhin abzielen, dass dem Verstorbenen freundliche Gedanken und Gebete gewidmet sind. Dabei darf man nicht vergessen, das gerade diese Möglichkeit, „noch etwas für den Verstorbenen tun zu können“, ein wichtiger Faktor in der Trauerarbeit buddhistischer Angehöriger darstellt. Man widmet ihm freundliche Gedanken, eine freundliche Gestaltung, evt. einige Gebete in der Ansicht, dass es ihm seinen derzeitig schwierigen Zustand erleichtert, so dass er endgültige Befreiung vom Daseinskreislauf oder zumindest eine gute Wiedergeburt findet.

In einer buddhistischen Abschiedsfeier sind daher alle deutlichen Kennzeichen hiesiger Trauer unerwünscht, weil sie den Verstorbenen irritieren können. Dazu gehören Reden, die in irgendeiner Weise im Schmerz noch herumrühren und zu noch mehr Tränen führen, als bereits vorherrschen – etwas, das sie vermutlich ohnehin nicht tun- , dramatische Musik, schwere Kranzgebinde und ganz allgemein die drückende Atmosphäre in Aussegnungshallen. In der Rede sollte man daher vor allem den Aspekt der Leerheit betonen, wie sie etwa im Herz-Sutra zum Ausdruck kommt. Leerheit meint hier, wenigstens einen Blick auf seinen eigenen wahren Geistesgrund zu erhaschen, der frei von Veränderung und Schmerz ist. Idealerweise befindet sich die Trauergemeinde nach einer Trauerrede sicher noch nicht in einer gänzlich getrösteten aber in einer ruhigen und klaren Geistesverfassung.

Die Ausstattung sollte daher in einer angenehmen, freundlichen und harmonisierenden Ästhetik gestaltet sein. Buddhabilder und Statuen sind je nach Tradition in jedem Fall eine wichtige Ergänzung. Auch Gerüche spielen eine wichtige Rolle, daher ist es vielleicht möglich, Räucherstäbchen anzuzünden. Hier muss man auf die Tradition achten und sollte auf keinen Fall irgendwelche beliebigen Räucherstäbchen wählen. Falls die Verwendung von Räucherstäbchen in der Aussegnungshalle nicht erlaubt sein sollte, gibt es z.B. auch die Möglichkeit, dass Angehörige beim Zug zum Grab brennende Räucherstäbchen in der Hand halten. Bei Nichtverwendung können Räucherstäbchen trotzdem zur rituellen Raumgestaltung in ein Gefäß gesteckt werden.

Insgesamt wäre abschließend zu sagen, dass die Trauerfeier natürlich nicht gekünstelt fröhlich oder locker ablaufen soll, damit wären vermutlich auch Buddhisten überfordert. Treffender wäre es, die Feier freundlich, harmonisch und mit einer gewissen Würde, aber ohne Schwere zu gestalten.

siehe auch: www.bodhibaum.net