Inspirationen - Kleine Geschichten und Anregungen

Warum kommt es zu einem vorzeitigen Sterben des Kindes?

Diese Frage ist die am meisten und meist am ehesten gestellte. Wenn man sie aber einmal genauer betrachtet, dann steckt darin ein ganz unbegründetes Urteil: dass das Kind vorzeitig gestorben sei. Wir müssen uns fragen: für wen ist das Kind vorzeitig verstorben? Wenn wir hier ehrlich bleiben und uns nicht auf die Statistik als Maß zurückziehen, dann können wir antworten: doch allein und ausschliesslich für unsere Erwartung, für die Vorstellung, die wir selbst uns gemacht haben.

Wir wissen eigentlich und vergessen es dann doch, dass es eine bestimmte Lebenszeit für den Menschen nicht gibt. Eine durchschnittliche Lebenserwartung kann man ja dessen ungeachtet berechnen. Aber zu sagen, dass länger zu leben als die durchschnittliche Lebenserwartung ein zu spätes Sterben bedeuten würde, das trauten sich nicht einmal die Rentenversicherer auszusprechen. Aber kürzer zu leben halten wir erst einmal stets für tragisch. Und je kürzer das Leben dauerte, um so sinnloser erscheint es uns. Und das Dasein gar nicht betreten zu haben, das scheint unser Sinnempfinden regelrecht zu zerreissen.
Für wenige Menschen unserer Zeit wird es noch tragfähig sein, die Frage nach dem Warum so zu beantworten, wie es für die vergangenen Jahrhunderte ausreichend war: weil Gott es so wollte. Auch tiefreligiöse Menschen leben hier meist im Zweifel mit einer solchen Antwort und ringen darum, daran glauben zu wollen.

Aus: In den Tod geboren, Fritz Helmut Hemmerich, Hygias Verlag, Westheim, 2000, S. 19

Das letzte Hemd hat keine Taschen

So spricht der Volksmund und zwar immer dann, wenn es mal wieder ansteht, sich dafür zu entschuldigen, dass man gerade sein Geld mit vollen Händen zum Fenster raus wirft. Bedenkt man, was ein Totenhemd bei uns Bestattern häufig kostet, steckt in dem Halbsatz „vom Geld und dem Fenster“ jede Menge Ironie. Totenhemden sind teuer und dienen eigentlich nur einem Zweck: Posthum wird den Hinterbliebenen die Chance gegeben, ihre Wertschätzung und Liebe, oder insgeheim ihrem schlechten Gewissen dem Toten gegenüber Ausdruck zu verleihen. Sollten Wertschätzung und Liebe, und natürlich auch ein schlechtes Gewissen, nicht besser im Leben ihren Platz haben?
Das Totenhemd, und das war nicht immer so, wurde wie alles was mit Sterben und Tod zu tun hat, von unserer Gesellschaft an den äussersten Rand verdrängt. Wohl kaum jemand stellt sich heutzutage zu Lebzeiten die Frage nach dem eigenen, ganz persönlichen letzten Hemd. Ist es dann passiert, sind die Angehörigen in ihrer Trauer und ihrem Schmerz häufig überfordert. Die Kleiderordnung für die letzte Ruhe bestimmt dann das Bestattungsgewerbe. Von schlicht bis extravagant – das Angebot ist vielfältig. Ob nun goldbestickt oder mit Rüschen verziert, in unserer konsumorientierten Ex- und Hoppgesellschaft gibt es nichts, was es nicht gibt. Nicht selten werden Hunderte von Euro für ein Totenhemd hingeblättert.
Den Trauernden, die zu mir kommen, rate ich, den Verstorbenen in seinen vertrauten Kleidern zu beerdigen. Wenn man sich als Angehöriger die Zeit nimmt, sich vor den Kleiderschrank des verlorenen Menschen zu stellen und in Ruhe überlegt: „In welchen Kleidern hat sie oder er sich wohlgefühlt – in welchen Kleidern hatten wir vielleicht sogar gemeinsam schöne Momente?“, dann ist dies eine ganz persönliche Sache und auch ein Stück Trauerarbeit für den Hinterbliebenen.
Die Angst sich mit dem Tod zu beschäftigen ist ein Phänomen, das in den letzten Jahrzehnten dazu geführt hat, dass Sterben und Tod aus dem Leben verbannt wurden. Wie wäre es, wenn wir jenen alten Ritus wieder aufleben lassen könnten, der einem bei manch altem Menschen, etwa in Osteuropa, noch immer begegnet? Ist es nicht ein faszinierender Gedanke, sich sein Totenhemd selbst zu nähen und es im Schrank mit der normalen Wäsche aufzubewahren, sozusagen als lebenslanges Memento Mori? …

Ein Denkanstoß von Fritz Roth, Bestatter, Bergisch Gladbach

Vom Umgang mit den Toten

Für Menschen, die tagtäglich mit Leichen zu tun haben, ist die Ehrfurcht vor dem Toten häufig nichts als eine Tünche, die gerade so lange hält, wie die Angehörigen das Geschehen kontrollieren. Solange die Pflege des Totenkults ausschließlich Experten überlassen bleibt, muss es nicht verwundern, wenn das angemessene Gefühl auf der Strecke bleibt. Sie erledigen nur das, was die Gesellschaft an sie delegiert hat.
Wer tagtäglich Leichen transportiert, steht auf der sozialen Leiter ziemlich weit unten. Sensible und differenziert denkende Persönlichkeiten wird man in einem tabuisierten Schattenreich selten finden. Es gibt für Angehörige nur einen Weg, um sicherzustellen, dass der Tote gut behandelt wird: Sie müssen die Aufgaben selbst in die Hand nehmen, was bedeutet, dass der Verstorbene bis zum Begräbnistag begleitet wird und eventuell zu Hause bleibt.

Fritz Roth, Fliege

Wenn Hamster und Großväter sterben

Lars-Enrico (8) weinte, als sein Goldhamster Otto starb.  Die Mutter griff sich die kleine Leiche mit einem Stück Küchenkrepp, brachte sie zum Müllschlucker und sagte: „Heul nicht, wir kaufen einen neuen!“  Zwei Tage danach war Otto II da, possierlich wie sein Vorgänger.

Als Lars-Enricos Großvater gestorben war, lief der Junge wochenlang verstört umher. Man hatte ihm mitgeteilt, daß der Opa im Krankenhaus liegt, er hatte gespürt, daß Unruhe durch die Familie ging, als man nach Blumen telefonierte und der Vater herummeckerte, daß in diesem Haushalt nicht mal eine schwarzer Krawatte vorhanden sei. Doch am Tag der Beisetzung wurde der Junge wie gewöhnlich in die Schule geschickt.

Ein Klassenkamerad klärte ihn dann auf, daß man den Opa heute eingrabe. Die Eltern allerdings hatten ihm gesagt, der Opa sei jetzt im Himmel, es ginge ihm gut und er schaue freundlich auf alle hinunter.

Da waren Fragen geblieben: War der Großvater nun im Himmel oder hatte man ihn einfach vergraben? Warum hatte man nicht gesagt, daß der Opa sehr krank war ? Warum durfte Lars-Enrico sich nicht vom Großvater verabschieden? Anderen Leuten erklärten die Eltern, daß man nie über Sterben und Tod gesprochen hat, daß sie selbst nicht wissen, wie man sich auf einer Trauerfeier zu verhalten habe – und Kinder gehören da schon gar nicht hin. Kinder sollten nicht mit so etwas Traurigem belastet werden.

Der kleine Lars-Enrico darf allerdings stundenlang fernsehen, und er konsumiert am Tag etwa 20 Tode –  als Kinospaß. Wenn es einmal ganz schlimm kommt, dann bringt der große Lars-Enrico andere Leute aus Spaß um.

Stefan (8) war sehr traurig, als sein Kaninchen Milli starb. Doch die Eltern erklärten ihm, daß jedes Lebewesen nur eine begrenzte Lebenszeit hat, jedes  – auch der Mensch. Sie schlugen ihrem Jungen vor, daß Milli ein schönes Begräbnis haben sollte. Und Stefan bemalte einen Schuhkarton mit Blumen, Sternen, Sonne und Mond. Dazu benötigte er zwei Tage, deshalb wurde das Tier erst einmal im Kühlschrank deponiert. Dann wurde Milli auf feines Buntpapier in ihren Sarg gelegt, die ganze Familie fuhr hinaus in den Garten, und Milli bekam eine richtige Bestattung, so mit Rede und einem großen blankgeputzten Kieselstein.

Als Stefans Großvater ins Krankenhaus gebracht wurde, sagten die Eltern, daß der Opa vielleicht sterben werde. Zur Aufbahrung nahmen sie den Jungen mit, und der war gar nicht erschrocken, zum ersten Male einen Toten zu sehen. Er war beruhigt, daß der Opa so friedlich zwischen Blumen und Kerzen lag.

Vor der Urnenfeier wurde Stefan darauf vorbereitet, daß da ein Gefäß stehen werde, in dem sich die Asche des Großvaters befinde. Sachlich antworteten die Eltern auf die Fragen des Jungen, und das waren bei dem technischen Interesse eines Achtjährigen ganz direkte Fragen über den Vorgang der Kremation. Und die Eltern erlebten, daß Kinder sich dabei verständiger erweisen als manche verklemmte Erwachsene.

Stefan war stolz darauf, zur Beisetzung mitgenommen worden zu sein. Man hatte ihm eine Blume in die Hand gegeben, doch als er vor der kleinen Gruft stand, kramte er aus der Hosentasche ein Spielzeugauto hervor, sein bestes, ein Geschenk vom Großvater, und er legte es vorsichtig in das Grab.

Stefan hatte Dank sagen können, er hatte sich verabschieden können, er fühlte sich wohl.

Von Klaus Westendorf, Copyright © 2001 Fachverband für weltliche Bestattungs- und Trauerkultur e.V.

Gibt es ein Leben nach der Geburt?

Irgendeine liebe Teilnehmerin an einem Seminar hat mir einmal einen Zettel in die Hand gedrückt, damit ich ihn in einer ruhigen Minute lesen könne. Ich weiß leider nicht mehr, wer es war, noch viel weniger, woher der Text stammt. Aber die Geschichte, die ich da las, hat mich so amüsiert, dass ich sie, erneut zur Auflockerung, gerne an den Abschluss dieser Erörterungen, ob es denn eine Seele überhaupt gibt und ob diese den Tod des Körpers überlebt, stelle:

Es geschah einmal, dass in einem Schoß Zwillingsbrüder empfangen wurden. Die Wochen vergingen und die Knaben wuchsen heran. Sie begannen, ihre Welt zu entdecken und die Nabelschnur, die sie mit der Mutter verband.

Als aber schon Monate vergangen waren, bemerkten sie plötzlich, wie sehr sie sich verändert hatten. »Was soll das heißen?«, fragte der eine. »Das heißt«, sagte der andere, » dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald zu Ende geht.« »Aber ich will gar nicht gehen«, sagte wieder der Erste. »Wir haben keine Wahl«, entgegnete der andere, »aber vielleicht gibt es ja ein Leben nach der Geburt.«  »Aber wie soll das gehen«, fragte wieder der Zweifelnde, »wenn wir unsere Lebensschnur verlieren? Und außerdem hat nie jemand diesen Mutterschoß verlassen und ist wieder zurückgekommen, um zu sagen, dass es weiterginge. Nein, die Geburt ist das Ende!
Und er fiel in tiefen Kummer und sagte: »Wenn die Empfängnis mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben im Schoß? Womöglich gibt es gar keine Mutter hinter allem!« »Aber sie muss existieren«, protestierte der andere, »wie sollten wir sonst hierher gekommen sein? « »Hast du je unsere Mutter gesehen?«, fragte wieder der Zweifelnde, »vielleicht haben wir sie nur erdacht, um unser Leben besser zu verstehen!« Und so waren die letzten Tage im Schoß der Mutter voller Angst und Fragen. Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie ihre Augen. Sie schrieen vor Freude. Was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume.

Aus: Die Seele ins Licht begleiten, Gabriel Looser, Kösel Verlag 2001

Vorgang der Geburt - Vorgang des Sterbens

Der berühmte Anatom Joseph von Hyrtl (1811-1894) hat einmal versucht, am Analogiebeispiel der Embryonalentwicklug – unter Verzicht auf jegliche transzendentale Argumentation – zu verdeutlichen, dass es ein geisthaftes, aber nichtsdestoweniger individuelles Überleben des Todes geben könne: »Der Embryo im Mutterleib müsste, sofern er Selbstbewusstsein hätte und im voraus wüsste, was beim Vorgang der Geburt mit ihm geschehen wird, diesen Vorgang zweifellos für seine absolute Vernichtung halten: Die ihn umschließenden Hüllen zerreißen, das Fruchtwasser – sein Lebenselement – fließt fort: die Nabelschnur, die ihn ernährt, wird zertrennt, und überdies hat er, aller Lebensmöglichkeit beraubt, den erstickenden Sturz durch würgende Enge zu tun. Ja, stünde der Embryo auf dem Boden der Tatsachen, kein Zweifel, ein Überleben der Geburt müsste für ihn indiskutabel sein. -Aber er weiß nicht, dass in ihm andere Organe für ein Leben in einer anderen Welt bereits vorsorglich angelegt sind: Lungen, um Luft zu atmen. Augen, um den Kosmos der Farben und Formen zu schauen, und mehr noch: diese anscheinend hoffnungslose Vernichtung, der Geburtsakt, ist in Wahrheit der Weg ins eigentliche Leben. Insofern haben wir kein Recht, den Tod, der uns ebenfalls alles Leben zu rauben scheint, aus der lediglich irdisch-biologischen Perspektive zu beurteilen. Wir irren dann, wie gedachter Embryo, im Hinblick auf die Geburt irren würde.«

Joseph von Hyrtl aus: Handeln im Umfeld des Todes, Persephone Kongressband 4, Hrsg Michaela Glöckler u. Rolf Heine, Dornach 2002, Medizinische Sektion am Goetheaneum

Was ist sterben?

Ein Schiff segelt hinaus und ich beobachte
wie es am Horizont verschwindet.
Jemand an meiner Seite sagt: „Es ist verschwunden.“
Verschwunden wohin?
Verschwunden aus meinem Blickfeld – das ist alles.
Das Schiff ist nach wie vor so groß wie es war
als ich es gesehen habe.
Dass es immer kleiner wird und es dann völlig aus
meinen Augen verschwindet ist in mir,
es hat mit dem Schiff nichts zu tun.
Und gerade in dem Moment, wenn jemand neben
mir sagt, es ist verschwunden, gibt es Andere,
die es kommen sehen, und andere Stimmen,
die freudig Aufschreien: „Da kommt es!“
Das ist sterben.

Charles Henry Brent

Inkarnationsvertrag

Da es immer wieder zu Missverständnissen bezüglich des Gebrauchs von Leben, Körper und Geist kommt, hier noch einmal der Inkarnationsvertrag, den wir alle unterschrieben haben. Noch immer gehen unnütz viele Beschwerden bei der Inkarnationsbehörde ein und Verstöße gegen wesentliche Paragraphen erzeugen unnötigen Papierkram. Aufgrund einer geplanten Schwingungserhöhung wäre es schön, wenn alle aktuell inkarnierten den Vertrag noch einmal studieren könnten, damit der gemeinsame Aufenthalt in Zukunft reibungsloser verläuft.
Wie bei allen Verträgen lohnt es sich, auch das Kleingedruckte zu lesen.

Es ist hilfreich, über jeden Satz einzeln nachzudenken.

  • §1 Sie erhalten einen Körper. Dieser Körper ist neu und einmalig. Niemand sonst bekommt den gleichen.
  • §2 Sie erhalten ein Gehirn. Es kann nützlich sein, es zu benutzen.
  • §3 Sie erhalten ein Herz. Die besten Resultate erzielen Sie, wenn Hirn und Herz ausgewogen benutzt werden.
  • §4 Sie erhalten Lektionen. Niemand bekommt exakt die selben Lektionen wie Sie oder kann sie Ihnen abnehmen.
  • §5 Sie können tun, was Sie wollen. Alles, was Sie anderen antun, kommt zu Ihnen zurück.
  • §6 Eine Lektion wird so lange wiederholt, bis sie begriffen wurde (auch inkarnationsübergreifend).
  • §7 Dieser Vertrag ist für alle gleich. Es gibt keine Privilegien, auch wenn einige das behaupten. (Handschriftliche Änderungen haben keine Gültigkeit.)
  • §8 Sie bekommen Spiegel, um zu lernen. Viele Spiegel sehen aus wie andere Körper. Sie sind dazu da, Ihnen etwas zu zeigen, das in Ihnen ist.
  • §9 Wenn Ihr Körper zerstört wird oder aufhört, zu funktionieren, bekommen Sie einen neuen. (Es kann zu Wartezeiten kommen.)
  • §10 Der Inkarnationsvertrag läuft erst aus, wenn alle Lektionen zu einem befriedigenden Ergebnis geführt haben.
  • §11 Was befriedigend ist, bestimmen Sie!

Von Jo Conrad – Aus SEIN Nr, 179, Aug. Juli 2010